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Bildverbesserer: Manuell vs. Automatik

Ausgangssituation

Als Fahranfänger möchte man sich nach den ersten paar Fahrstunden mit einem 5-Gang Schaltgetriebe kaum mit dem Gedanken anfreunden, dass man diese hochkomplexen Vorgänge in Zukunft ständig und bei jeder Fahrt ausführen muss. Die Idee eines Automatikgetriebes scheint da plötzlich viel verheißungsvoller: Man tritt aufs Gas und fährt, bei Druck auf die Bremse steht der Wagen - so einfach kann das sein.
Beim Autokauf fällt dann jedoch paradoxerweise anschließend die Wahl beim ersten Kauf auf einen handgeschalteten Wagen. Neben der häufigeren Verbreitung und dem Preisunterschied liegt der Grund hierfür vielleicht darin, dass man gelernt hat, die Möglichkeiten der Dynamik einer Handschaltung für sich in einen spritzigeren und anregenderen Fahrstil zu übersetzen.
Doch was soll das alles mit den Wagen?

Im Falle einer kompakten Digitalkamera sieht die Sache anders aus.
Erfreulicherweise kann man sich hier in den meisten Fällen für eine Automatik- oder Manuell-Einstellung noch bis kurz vor der Aufnahme entscheiden. So winkt neben der Automatik entweder eine voll-manuelle Einstellung, eine Halbautomatik, voreingestellte SCENE-Modi oder zumindest manuelle Modifikationsmöglichkeiten. Die häufigste Entscheidung fällt hier (im Gegensatz zum Automobil) zugunsten der Bequemlichkeit auf Automatik.

Die Automatik richtet dann meist auch alles Nötige in der Kamera so ein, dass ein korrekt belichtetes Bild aufgezeichnet wird.


Normalbelichtung und Gegenlicht:

Ein Belichtungsmesser im Inneren der Kamera ermittelt, grob vereinfacht gesagt, eine Blenden/Zeit-Kombination mit möglichst mittlerer Blende (um die Leistung der Optik voll zu nutzen) bei kürzest möglicher Belichtungszeit (damit die Aufnahme nicht verwackelt). Aus Schwarz und Weiß im Bild wird ein Mittel errechnet; das "mittlere Grau" gilt hier als Referenz.
Das Ergebnis ist in den meisten Fällen (je nach Hersteller und Technik) befriedigend bis hervorragend und man ist zufrieden, denn alle Abgebildeten sind zu erkennen, die Landschaft sieht so aus, wie man sich an sie erinnert. Die Schatten werden dunkel und die Lichter hell abgebildet, eben so, wie es sich gehört.

Dass die Kamera ein mittleres Grau errechnet, ist notwendig, führt jedoch je nach Bau und Messweise, je nach Qualität und Technik der Kamera und je nach Aufnahmesituation zu einem anderen Ergebnis. Eine Mehrfeldmatrix-Messung bei einer Markenkamera führt wahrscheinlich zu einem anderen Ergebnis als die mittenbetonte Messung eines "No-Name"-Herstellers.
Ist das Motiv im Schnitt rein rechnerisch zu gleichen Teilen Schwarz und Weiß, machen beide Geräte keine Schwierigkeiten. Die Mehrfeldmatrix-Messung spielt ihre Stärken aus, wenn dem nicht so ist und belichtet auch bei Gegenlicht oder z.B. einem sehr hellen Objekt im Zentrum des Bildes gut.
Die mittenbetonte Messung einer einfach konstruierten Kamera wird hier ein Bild produzieren, das im hellen Zentrum grau statt weiß wiedergegeben wird und zum Bildrand hin zu dunkel erscheint, während die Gegenlichtaufnahme die Lichtquelle schön durchzeichnet und das Objekt im Vordergrund (weswegen man eigentlich die Aufnahme gemacht hat) zu dunkel erscheint.

Belichtung auf Schatten:
helle Stellen überstrahlen
 
Belichtung auf Licht und Schatten: korrekte Darstellung
 
Belichtung auf Licht:
Schatten zu dunkel
 




















Das ist noch lange kein Grund die einfachere Kamera in die Ecke zu legen, denn auch hier bieten sich oft Möglichkeiten, das Bildergebnis zu beeinflussen. Auch bei der qualitativ besseren Kamera ist meistens noch eine deutliche Steigerung möglich, wenn man manuell eingreift.


Lösung für Gegenlichtaufnahmen

Eine manuelle Überbelichtung schafft bei Gegenlichtsituationen Abhilfe. Ein bis zwei Blenden mehr wirken Wunder und zeichnen das Objekt, das abgebildet werden soll, deutlich durch. Der Himmel (oder was auch immer das Gegenlicht erzeugt) scheint nun in der Aufnahme zwar wesentlich zu hell, doch ist der ja meist nicht wichtiger Bestandteil im Bild.
Möchte man bei einer Gegenlicht-Portrait-Aufnahme den Himmel hinter dem Portraitierten und dessen Gesicht gleichwertig sichtbar machen, lohnt es sich, auch am Tage den Blitz zu aktivieren.

Manuell: Manuelle Überbelichtung, in der Regel am einfachsten über die Funktion "Belichtungskorrektur" (meist ±2 Blenden in 1/3-Schritten), welche selbst einfachste Kameras besitzen. Ansonsten über größere Blendenöffnung oder längere Belichtungszeit, erhöhte Empfindlichkeit (ISO) oder Aufhellblitz
Voraussetzung: Erfordert geringfügig Fachwissen und eine Vorstellung davon, welche Stelle im Bild wie hell erscheinen soll
Vorteil: Sehr exakt belichtete Ergebnisse auch bei schwierigem Licht
Nachteil: Einarbeitung nötig, je nach Kamera zeitaufwändig

Halbautomatik: SCENE-Programm Gegenlicht
Voraussetzung: SCENE-Programme "Gegenlicht" o. ä. muss vorhanden sein
Vorteil: Kein Fachwissen nötig
Nachteil: Keiner

Automatik: Messwert in dunklerem Bildteil mit gleicher Entfernung speichern also die Automatik der Kamera aktiv für sich nutzen
Voraussetzung: Messwertspeicher
Vorteil: Die Einstellung ist schnell gemacht, solange in ähnlicher Entfernung ein dunkleres Motiv zu finden ist
Nachteil: Abstraktionsvermögen ist gefragt, kann je nach Kameramodell auch mal nicht funktionieren


Weißabgleich, WB (White Balance)-Korrektur:

Das menschliche Auge regelt in Verbindung mit dem übrigen Wahrnehmungsapparat, was Kameratechnik nur schwer vermittelbar ist: Das hellste Licht im Blickfeld wird Weiß genannt und ist ohne Farbe. Für Kameras hingegen ist z.B. Kerzenlicht deutlich rot, das helle Mittagslicht im Sommer und die Schatten am Abend deutlich blau.
Das Kerzenlicht wirkt auf die meisten Menschen eher emotional anregend als schnöde farblich rot. Schaltet man dem Kerzenlicht eine Normleuchte mit 5500 Kelvin zu, vergeht augenblicklich alle Rührseligkeit.

Dem Menschen fällt die Lichtfarbe nur im direkten Vergleich auf, der Kamera hingegen immer. Der Weißabgleich der Kamera ist auf Normlicht referenziert, was ungefähr der Lichtfarbe eines bedeckten Himmels am Tag entspricht. Der Modus "Automatik" arbeitet in einem etwas anderen Bereich, welcher der wahrscheinlich meistgenutzten Lichtsituation entspricht: dem Sonnenlicht.

Jedes Licht hat eine Farbe und je nach Tages- oder Jahreszeit hat das Sonnenlicht eine andere Färbung. Kunstlicht sowie Kerzenlicht und Glühlampenlicht ist rot, Halogen bläulich, Neon oft grünlich, aber das ist nie ganz sicher. Das menschliche Auge macht aus alledem weißes Licht, die Umgebung wirkt für den Betrachter neutral.

Abgleich auf Kunstlicht bei Tageslicht
Manueller Abgleich auf Weiß
Abgleich auf Tageslicht bei Kunstlicht












Es gibt Grenzsituationen in denen Licht benutzt wird, das nur einen sehr kleinen Teil des Spektrums füllt, wie z.B. Natriumdampflampen. Hier versucht das Auge, immer noch Farben zu erkennen wo keine mehr sind. Bewusst wird dies nur im Selbstversuch. Versuchen sie, in einem solchen Licht die Farben der sie umgebenden KFZ zu bestimmen. Unerheblich ob blau hellrot oder weiß - es ist schier unmöglich.

Die Farbtemperatur wird auch bei Digitalkameras grundsätzlich automatisch geregelt. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert das auch und einige hochwertige Kameras beherrschen dieses Kunststück auch bei extremen Lichtverhältnissen und Mischlichtsituationen recht gut. Enden tut dieser Bereich bei den meisten jedoch schon, sobald der Himmel bedeckt ist.


Lösung für den Weißabgleich, manuelle Korrektur

Oft macht es Sinn, der Kamera beim Weißabgleich manuell auf die Sprünge zu helfen. Wenn ihnen auffällt, dass bei bestimmten Lichtsituationen Bildteile, die eigentlich unfarbig sein sollten farbig dargestellt werden, wird es Zeit, manuell einzugreifen um das Bildergebnis farbneutraler zu gestalten.

Manuell: Manueller Weißabgleich auf weiße Fläche (z.B. Schreibmaschinenpapier),    voreinstellte Presets (Sonne, Wolken, Kunstlicht etc.)
Voraussetzung: Das Feature muss vorhanden sein, etwas Fachwissen
Vorteil: Sehr exaktes Ergebnis bei manueller Messung
Nachteil: Etwas aufwändiger Vorgang

Halbautomatik: Einstellung von SCENE-Programm, z.B. Nacht, Party, Unterwasser
Voraussetzung: Spezielle SCENE-Programme müssen vorhanden sein
Vorteil: Benutzerfreundliche Einstellung ohne Fachwissen abrufbar
Nachteil: Die Voreinstellung kann den Anforderungen vor Ort nur grob entsprechen

Automatik: Automatischer Weißabgleich
Voraussetzung: Keine, da Standard
Vorteil: Es müssen keine Gedanken an den Weißabgleich verschwendet werden
Nachteil: Arbeitet meist nur bei Tageslicht wirklich verlässlich


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